Weiterbildungen in Zürich und Mailand

Wie in jedem Jahr besuchte ich auch im ersten Halbjahr 2019 einige interessante Veranstaltungen, die mein Qigong voranbringen. Hier berichte ich über zwei Weiterbildungen der Schweizerischen Gesellschaft für Qigong und Taijiquan (SGQT) in Zürich und eine Veranstaltung in Mailand.


Bewegtes Becken (mit Dr. Helmut Jäger)

Anlässlich der Mitgliederversammlung der SGQT am 2. März 2019 in Zürich führte der Gynäkologe, Coach und Taiji-Ausbilder Dr. Helmut Jäger aus Rotenburg bei Bremen in die Funktionsweise und die Geheimnisse des menschlichen Beckens ein.

Der Mediziner, der auch lange in Afrika praktizierte, brachte den Anwesenden auf faszinierende und einfühlsame Weise den Vorgang der Geburt näher. Männer wie Frauen „gebaren“ eine Puppe, wobei sich herausstellte, dass der Qigong-Grundstand dabei die ideale Position ist. Dr. Jäger machte uns klar, dass die Frau bei der Geburt nicht willentlich „loslassen“ kann, sondern dass sie dies nur über sanfte und liebevolle Annäherung durch den Geburtshelfer geschehen lassen kann. In ähnlicher Weise können wir beim Taiji und Qigong nicht aktiv entspannen. Besser ist, wir lassen es sanft und liebevoll geschehen.


Atemtyp-Qigong (mit Meister Frieder Anders)


Am 1. und 2. Juni 2019 lud die SGQT zur jährlich stattfindenden zentralen Weiterbildung in Zürich. Die geladenen Referenten sind stets von höchster Reputation im Feld der chinesischen Bewegungskünste. Meister Frieder Anders etwa gründete 1980 in Frankfurt / Main die erste Taiji-Schule in Deutschland.

Seit einiger Zeit bringt Meister Anders seine Idee unters Volk, alle Praktizierenden ließen sich in sogenannte „Einatmer“ und „Ausatmer“ einteilen. Je nachdem sollten die Taiji- und Qigong-Übungen anders ausgeführt werden. Im Grundstand etwa sollten die Ausatmer die „solare Haltung“ einnehmen, die Einatmer die „lunare Haltung“. Der springende Punkt dabei ist nicht, dass Einatmer nur einatmen und Ausatmer nur ausatmen. Vielmehr unterscheidet sich der Zeitpunkt, an dem vorwiegend Kraft gesammelt werden kann.

Dieser Ansatz ist sicher innovativ und in mancher Hinsicht aufschlussreich. Dennoch widerstrebte mir vom ersten Augenblick die Vorstellung, ich sollte mich für eine Seite entscheiden. Schließlich leben Taiji und Qigong von dem Grundsatz, die Gegensätze zu überwinden. Spaßig war es dann aber trotzdem, als die Gruppe herauszufinden versuchte, ob man denn nun Einatmer oder Ausatmer sei. Nicht in allen Fällen war dies eindeutig. In meinem Falle etwa war ich nach des Meisters Eindruck beim Tuishou ganz klar solarer Ausatmer, nach dem Kalender seiner Assistentin jedoch eindeutig lunarer Einatmer. Da mir die Stellung, die ich als Einatmer hätte einnehmen sollen, freilich größtes Unbehagen bereitete, praktizierte ich an diesem Wochenende lieber als Ausatmer.

Fazit: Ich bleibe bei meiner althergebrachten Praxis und versuche, Kraft sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen zu sammeln. Die Unterschiede dabei spüre ich jetzt vielleicht etwas deutlicher.


Taijiquan und Neigong (mit Maestro Pace)


Maestro Gianfranco Pace ist einer der renommiertesten Taiji-Lehrer Italiens, weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Er hat seine Schule bei Catania, Sizilien. Ich fragte an, ob ich mal an einem Neigong-Kurs im Rahmen seiner dreijährigen Ausbildung zum Taiji-Kursleiter teilnehmen könnte. Am 8. Juni 2019 war es soweit, in einem wunderschönen Raum mitten in Mailand.

Die Gruppe aus allen Teilen Italiens wunderte sich zwar über meine Präsenz, empfing mich aber mit allergrößter Herzlichkeit. In der von mir besuchten Kurseinheit ging es um die Entwicklung der „forza di spirale“, der Spiralkraft, vorwiegend mithilfe der Seidenübungen des Taji Chen-Stils.

Es ging dabei viel um „la vita“, das Zentrum, aus dem heraus die Bewegungen entstehen. Lustig war, als der Maestro immer von „lotto“ sprach. Ich fragte mich, was das hier mit Glücksspiel zu tun hatte. Bis ich kapierte, das es sich um „l’otto“, die Acht, handelte, die man in der Bewegung ausführen sollte. Ansonsten musste man nicht einmal fließend Italienisch verstehen, um die präzisen Anweisungen des Maestro nachvollziehen zu können. Er legte Wert darauf, die Bewegungen stets in Kreisen auszuführen, und „sempre in movimento“ zu bleiben.

Mit großer Ernsthaftigkeit, aber auch „sempre allegro“ wurde Taiji geübt, morgens und nachmittags je vier Stunden, ohne jede Pause. Ganz schön anstrengend. Trotzdem war es eine wundervolle Erfahrung und sicher nicht das letzte Mal, dass ich Maestro Pace aufgesucht habe. Perbacco!


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