Faszinosum Faszien – Innere Kraft

Im Café hedicke’s Terracotta beim Klinikum Konstanz fand am 20. Mai 2017 der „Konstanzer Muskel-Faszien-Tag“ statt, eine Veranstaltung der Myoreflex-Praxis Dr. Kurt Mosetter. In drei Vorträgen wurden die Grundlagen und neuesten Erkenntnisse der Faszien-Forschung für schmerzfreies und bewegliches Leben vorgestellt. Von Interesse für mich war nicht nur der Beitrag des hierzulande bekanntesten Faszienforschers Dr. Robert Schleip, sondern vor allem, dass einer der Vorträge von Meister Shaofan Zhu aus St. Gallen gehalten wurde, der überzeugend darlegte, dass Qigong nichts anderes ist als seit Jahrtausenden in China praktiziertes Faszientraining.

Ich kann hier nicht auf die medizinischen und therapeutischen Einzelheiten eingehen. Nur so viel sei verraten: Wir sollten uns im Training regelmäßig, laaangsam und punktgenau bewegen, viel kreisende, hüpfende und hangelnde Bewegungen ausführen und, was die Ernährung angeht, möglichst wenig Zucker zu uns nehmen. Ideal, so waren sich alle einig, sei die chinesische Bewegungskunst Qigong, eine Erkenntnis, die sich angeblich vermehrt auch im Profisport durchsetzt. Bereits seit 2006 arbeitet die Praxis Mosetter etwa mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (damals unter Klinsmann) zusammen; neuerdings auch mit Ralf Rangnick bei RB Leipzig. Aufregend für mich als altem Fußballer war es zu erfahren, dass Mannschaften wie der FC Barcelona oder Juventus Turin in ihrem Training auf Qigong setzen.


Affe1

Känguru1

Springbock1

Tiger1


In seinem hochinteressanten Vortrag zeigte Dr. Schleip, wie sich moderne Trainingsmethoden die Erkenntnisse der Zoologie zu nutze machen. So nahm die Faszienforschung wohl ihren Anfang in dem verblüffenden Befund, dass, nach allem bisherigen anatomischen Wissen, ein Riesen-Känguru einfach keine 13 Meter weit hüpfen konnte. Und doch tat es genau das. Wie konnte das sein? Der Schlüssel, so Schleip, liegt in der inneren Kraft, die das Känguru mittels Faszien in den Beinen speichert und so weit springen lässt. Ähnlich funktioniert es bei Affen, die sich rasant durch den Urwald hangeln, Fröschen, die sich explosionsartig hochkatapultieren, Raubkatzen, die schneller beschleunigen als ein Porsche oder Springböcken, die aus purer Lust am Leben hopsen. Alle wissen ihre Kraft effizient und zielgenau einzusetzen. Kraftvoll und entspannt – wie beim Qigong.


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